Hintergrundwissen

Was zur Hölle ist denn eine ICSI und was sind das überhaupt alles für Ausdrücke?

Wenn man, so wie ich, schon eine Weile in Kinderwunschbehandlung steckt, kommen einem diese medizinischen Fachbegriffe nicht mehr fremd vor. Da ich aber auch mal "Anfänger" war, weiß ich, dass einem die Ausdrücke Angst machen können.

Ich möchte ein kleines Lexikon aufbauen und spiele hier mal den Erklärbär für Kinderwunsch-Fachbegriffe. Bitte nicht mit einer Doktorarbeit verwechseln. Ich werde nicht alles im Pschyrembel nachschlagen.

Zu Beginn steht das Ei
Eigentlich wollte ich hier gleich mit der Königsdisziplin, der ICSI beginnen, aber ich habe gemerkt, dass ich viel früher ansetzen muss. Das ist wie die Frage, was zu erst da war. Das Ei oder das Huhn? Ich beginne daher mit dem Ei. Wo kommt das überhaupt her?

Das Ei oder die Eizelle wächst wohlbehütet im Eibläschen, dem Follikel, heran. Dies geschieht aufgrund eines komplizierten Hormoncocktails im Körper, der bei mir übrigens irgendwie gestört ist. Diesen Hormoncocktail steuern die Hirnanhangdrüse, der Hypothalamus und die Eierstöcke.

Der Hypothalamus ist für GnRH zuständig…die Gonadotropine Releasing Hormone.

Die Hirnanhangdrüse für FSH, das ist Follitropin, Follikelstimulierendes Hormon
und für LH, das ist Luteotropin.

Ja..und die Eierstöcke sorgen für Östrogene (Estradiol) und später für das Gelbkörperhormon auch Progesteron genannt.

Da, wie schon erwähnt, mein Hormoncocktail von meinem Körper nicht richtig gemixt wird, brauche ich während der Eizellreifung eine Stimulation. Ich spritze an bestimmten Tagen Gonadotropin. Ich bin auch noch so ein blöder Low Responder, d. h. ich spreche auf zugegebene Hormone nicht sonderlich gut an. Bei mir wirkt am besten Menogon, welches aus Pipi von Frauen in den Wechseljahren hergestellt wird, in Verbindung mit Clomifen. Andere Medikamente enthalten hauptsächlich FSH, wie z.B. Gonal oder Puregon. Kann man bei mir aber vergessen.

So…Das Ei wächst also in seinem Eibläschen so vor sich hin. Und wann weiß es dann, dass Zeit zum Springen ist?

Auch das sagen ihm die Hormone. Während der Wachstumsphase steigt der FSH-Spiegel im Blut. Im „normalen“ Zyklus tut sich nun einer von den kleinen Follikeln hervor und erreicht die volle Größe. Das ist der Leitfollikel (Graaf´sche Follikel). Die anderen sterben ab oder werden absorbiert. Bei einer Stimulation möchte man das aber verhindern, denn es sollen ja mehrere Eibläschen punktiert werden. Auch ein spontaner Eisprung macht im Rahmen einer assistierten Befruchtung nicht immer Sinn. Dazu aber später. Erst einmal der Normalfall.

Die Eierstöcke produzieren nicht nur Follikel sondern auch Östrogene, die sie ins Blut ausschütten, immer mehr, bis irgendwann die Hirnanhangdrüse die Nachricht von den Eierstöcken bekommt: „He…wir brauchen LH.“ Also produziert die Hirnanhangdrüse drauf los und es steigt auch der LH-Spiegel im Blut. Das kann man übrigens mit solchen Ovulationstests prüfen. Man macht Pipi auf einen Teststreifen und bekommt ein Ergebnis ähnlich wie beim Schwangerschaftstest. Ist nun der LH-Wert bei einer bestimmten Marke, weiß der Leitfollikel, es ist Zeit zu springen. Wow, bis dahin hat der Follikel im Durchschnitt bereits eine Größe von 20 mm angenommen. Das sind ZWEI Zentimeter!

Die reife Eizelle…das Ovum wird in den Eileiter entlassen…die Ovulation. Gratulation allen gesunden Frauen, die es bis hier hin ohne Hilfe schaffen. Jetzt ist das Ei für ein paar Stunden befruchtungsfähig.

Aus der zurückgelassenen Eibläschenhülle entsteht im Eierstock der Gelbkörper, der nun Progesteron produziert. Jetzt wissen dann auch die Hirnanhangdrüse und der Hypothalamus, dass sie aufhören können, Hormone auszuschütten bis zum nächsten Zyklus.

Zwischenzeitlich haben diese ganzen Hormone ja nicht nur Eier wachsen lassen, sondern auch die Gebärmutterschleimhaut. Sozusagen das Bettchen für das befruchtete Ei…wenn es denn befruchtet wurde. Das Progesteron bewirkt, dass sich die Schleimhaut weiter verdickt und schön durchblutet ist. Wenn sich nun ein befruchtetes Ei einnistet…juhu…man ist schwanger und der Körper spielt ab jetzt erst recht verrückt. Wenn sich eben kein Ei einnistet, so wie bei mir die letzten 495tausend Zyklen, dann ist man traurig und der Körper stößt die schöne Schleimhaut wieder ab, die Menstruation und ein neuer Zyklus mit neuer Chance auf ein Baby beginnt.

Puh…dafür, dass ich eigentlich eine ICSI erklären wollte, habe ich weit ausgeholt.

Teil II

Jetzt wissen wir, wie normalerweise ein Ei reift. Was ist nun an einem Stimulationszyklus anders?

Es gibt Menschen, da ist ein natürliches heranreifen eines befruchtungsfähigen Eis eingeschränkt oder nicht möglich. Ob das nun, wie bei mir eine Störung im Zusammenspiel der Hormone ist, oder eine Stoffwechselstörung ist, wie PCO, das Polyzystische Ovarialsyndrom, ist wurscht. Es kommt im Endeffekt aufs Gleiche bei raus. Der Körper spuckt von alleine kein Ei aus…Punkt… Also braucht er Hilfe. Eine Stimulation.


Hier gibt es verschiedene Verfahren:

Lange Protokolle, kurze Protokolle, Ultra-Kurze Protokolle oder Antagonisten-Protokolle.
Der wesentliche Unterschied der einzelnen Protokolle liegt in deren Laufzeit und der unterschiedlichen Medikation. Wir erinnern uns…GnRH wird vom Hypothalamus produziert und regt die Hirnanhangdrüse an, FSH auszuschütten. Da die Hirnanhangdrüse aber auch die Fähigkeit besitzt, den Eisprung auszulösen, also LH zu produzieren, soll die erst mal lahmgelegt werden. Dies geschieht mit Hilfe von zwei unterschiedlichen Medikamentengruppen…die GnRH-Agonisten und die GnRH-Antagonisten.

Beim Langen Protokoll kommen so genannte GnRH-Agonisten zur Verwendung. Daher wird dieses Protokoll auch gerne als Agonisten-Protokoll bezeichnet. Hierbei wird bereits im sogenannten Vorzyklus, so ab dem 21. Zyklustag, mit der Downregulation begonnen. Mit Downregulation meint man das „Lahmlegen“ der Hirnanhangdrüse. Dazu gibt es z.B. Synarela, das ist ein Nasenspray oder Decapeptyl als Spritze. Es wird dann die Blutung abgewartet und im nächsten Zyklus startet erst die eigentliche Stimulation der Eierstöcke. Das erkläre ich aber lieber am Beispiel eines Antagonisten-Protokolles. Ich kenne mich mit den anderen Protokollen nicht so gut aus. Ich bin Low Responder, bei mir würde die Gefahr bestehen, dass bei einer zu starken Unterdrückung der Funktion der Hirnanhangdrüse keine Eizellen mehr gebildet werden.

Daher auch nur ein paar Worte zu den anderen Protokollen:

Das kurze Protokoll und das Ultra-kurze Protokoll

Hier beginnt die Downregulation meist am 2. Zyklustag des Stimulationszykluses. Auch hier kommt wieder das Nasenspray zum Einsatz. Die Stimulationsmedikamente werden ein oder zwei Tage nach Downregulation gegeben oder beim Ultra-Short-Protokoll sogar manchmal zeitgleich. Es läuft also eine Downregulation parallel.

So…bei mir wird das Antagonisten-Protokoll angewendet. Es kommen Medikamente zur Downregulierung zum Einsatz, die genau gegenteilig wirken wie in den anderen Protokollen. Hat aber den Vorteil, dass sie viel kurzfristiger eingesetzt werden können. Mein Stimulationszyklus sieht in der Regel so aus:

Ich starte die Stimulation der Eierstöcke am 2. oder 3. Zyklustag mit Clomifen. Ich brauche 100 i.E das entspricht 2 Tabletten. Hiermit beginnen meine Eierstöcke recht zuverlässig, Follikel zu bilden. Nach vier Tagen wird per Ultraschall geprüft, ob was wächst, auf das man Aufbauen kann. Wenn Follikel vorhanden sind und meine Hormonwerte im Blut stimmen, wechsle ich zu Menogon HP 150 i.E, das sind zwei Ampullen. Ich ziehe meist nicht die empfohlenen fünf Tage Clomifen durch, das gefällt meiner Schleimhaut nämlich nicht. Wenn Follikel da sind und sie bereits eine bestimmte Größe haben, meist ab dem 7. Zyklustag, gebe ich zur Stimulation noch den Downregulierer dazu. Dazu spritze ich dann täglich zum Menogon noch Cetrotide. Wobei evtl. Menogon auf 3 Ampullen erhöht wird. Dieser Medikamentenmix hat den Vorteil, dass die Eierstöcke im „natürlichen Zyklus“ unterstützt werden und mein eigener Hormonhaushalt noch ein bisschen mitmachen darf.

So…nun muss aber irgendwann ein Eisprung her. Also halt, springen soll es bei mir ja nicht, da wir ICSI Patienten sind. Meist habe ich nur einen oder zwei Follikel bis hierhin ausgebrütet und die sollen noch den letzten Schliff bekommen. Dazu brauchts dann die sogenannte Auslösespritze. Mit diesem Medikament wird der letzte Reifeprozess im Follikel ausgelöst. Dies geschieht bei mir mit Ovitrell oder die letzten Male mit Brevactid. Das letztere ist HCG, das Schwangerschaftshormon. Wenn Eure Männer sich das spritzen würden, hätten sogar die einen positiven Schwangerschaftstest. Die Auslösespritze muss pünktlich gesetzt werden, denn im Normalfall tritt nun der Eisprung nicht vor Ablauf von 36 Stunden ein…stimmt aber auch nicht immer. Mir sind schon einige weggehüpft, obwohl die Hersteller der Medikamente behaupten, das gäbe es nicht. Naja…da kommt halt doch irgendwie die Natur durch. Ihr bekommt normal von eurem Arzt die genaue Uhrzeit genannt. Das hängt davon ab, wann ihr Termin zur IUI oder Punktion habt.

Jetzt ist der Follikel fertig und das Ei darin befruchtungsfähig (hoffentlich). Die nächsten 36 Stunden passiert mal gar nichts. Keine Spritzen, kein Ultraschall, keine Blutabnahme. Das ist die Erholung vor dem Sturm der Gefühle, die dann noch kommen.


Teil III

Und wo kommen jetzt die Babys her?
Früher brachte sie der Storch…
Im besten Fall muss man nur mit seinem Partner Spaß zum richtigen Zeitpunkt haben.
In meinem Fall, und leider in vielen anderen Fällen auch, braucht es Hilfe:
Zyklusmonitoring
Es wird versucht, per Ultraschall und/oder Hormonbestimmung im Blut, den möglichen Zeitpunkt des Eisprungs zu bestimmen um die fruchtbare Phase möglichst eng eingrenzen zu können.
Untersucht wird die Größe des Follikels, die Höhe der Gebärmutterschleimhaut und evtl. der Zervixschleim. Dieser Schleim ist das Gebärmutterhalssekret. Ist er klar und zieht Fäden, also ist er spinnbar, dann ist man am fruchtbarsten…sieht dann in etwa so aus wie rohes Eiweiß. Er macht es den kleinen Spermien leichter, in die Gebärmutter zu schwimmen.
Möglich ist auch hier schon eine hormonelle Unterstützung oder eine kleine Stimulation der Eierstöcke mit Clomifen, um einen Eisprung herbeizuführen.
Ist der Zeitpunkt dann günstig, dann heißt es Geschlechtsverkehr nach Plan (GvnP). Hier kommt also der Spaß nicht zu kurz J

Intrauterine Insemination kurz IUI
Da hierbei der Eisprung planbar sein muss, erfolgt vorher eine hormonelle Stimulation und das Auslösen des Eisprungs passiert per Medikament (wie in Teil II beschrieben).
So…und dann braucht man Sperma. Nach einer Karenzzeit von 3-5 Tagen ohne Ejakulation bekommen die Männer jetzt ein Becherchen und dürfen in einen Spermagewinnungsraum gehen. Dort liegen Heftchen und es gibt Filmchen um die Phantasie anzuregen. Ja..und dann wird per Masturbation das Becherchen gefüllt. Mädels, vergesst die Romantik, das ist wirklich harte Arbeit. In einer Arztpraxis…Hut ab vor unseren Männern.
Jetzt muss das Ejakulat noch aufbereitet werden. Das heißt, das Sperma wird von anderen Sekreten getrennt, ja sozusagen gewaschen bis nur noch die Samenfäden übrigbleiben. Die kommen in eine Kulturflüssigkeit und werden auf eine kleine Spritze gezogen. Diese setzt man nun auf einen weichen Katheter, der in die Gebärmutter eingeführt wird. Sollte in der Regel schmerzfrei ablaufen. Nun wird langsam das aufbereite Sperma in die Gebärmutterhöhle und/oder in die Eileiter eingespritzt.
So…kurz liegen bleiben…fertig! Weniger Spaß wie beim GvnP aber auch weniger aufwendig wie die folgenden Behandlungsmethoden.
In vitro Fertilisation kurz IVF
Wir sind bei dem, was im Allgemeinen als künstliche Befruchtung bezeichnet wird…Die Reagenzglasbefruchtung. Ich finde immer noch, dass „künstlich“ zu hart ist. Ich finde unterstützte Befruchtung besser.
Was ist hier nun anders?
Es wird eine Stimulation der Eierstöcke ausgeführt. Ziel ist es, möglichst mehrere Follikel reifen zu lassen. Nachdem die Auslösespritze die letzte Reifung herbeigeführt hat, werden diese Follikel per Operation entnommen. Die Punktion.
Dies geschieht normalerweise unter Narkose. Es wird eine Punktionsnadel durch die Scheidenwand in den dahinter liegenden Eierstock gepikst und die Eier aus den Follikeln abgesaugt. Überwacht wird das per Ultraschall. Ist also schon eine richtige Operation meist unter einer Vollnarkose mit z.B. Propofol.
Die Eizellen verlassen also den Körper und wandern in die Petrischale „in vitro“. Dort treffen sie auf das aufbereitete Sperma und man überlässt es wieder der Natur, welches Spermium das Ei befruchtet. Nach 24 Stunden erkennt man bereits, ob sich zwei Vorkerne gebildet haben und somit eine Befruchtung stattgefunden hat. Dies erfahrt ihr dann per Telefon am Tag nach der Punktion.
Ich kann euch vorab schon mal sagen, dass bereits diese paar Stunden die Hölle sind. Aber die Warterei beginnt ja jetzt erst.

Noch eine obendrauf setzt die Königsdisziplin:
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion oder kurz ICSI
Wenn die Qualität und die Menge vom Sperma nicht ausreicht, geht man meist gleich den ICSI-Weg. Die Vorbehandlung ist identisch mit der IVF, nur wird die Befruchtung gezielt herbeigeführt. Die Eizelle wird mit einer Glaskanüle fixiert und über eine sehr feine Pipette wird unter dem Mikroskop ein Spermium in die Eizelle eingespritzt. Dann wird wieder gewartet, bis die Eizelle das Vorkernstadium erreicht. Ist das geschehen, ist die Befruchtung geglückt. Juhu…neues Leben entsteht!
 
Teil IV


Wie entwickelt sich nun der künftige Sonnenschein in der Petri-Schale?

Tag 1
Nach einer erfolgreichen Befruchtung bilden sich erst zwei Vorkerne. Die zwei treffen sich in der Mitte der Eizelle und es kommt zur Verschmelzung. Eine Zygote entsteht…die erste Zelle des Embryos. Von nun an gilt das Ei als Embryo und in Deutschland greift das Embryonenschutzgesetz ESchG. Dazu gehe ich später nochmal genauer ein.
Tag 2-3 
Ab jetzt teilen sich die Zellen (Blastomeren). Erst entsteht ein 4-Zeller, dann ein 6-Zeller…am Ende von Tag 3 sollte im besten Fall ein 8-Zeller entstanden sein.
Tag 4
Die Zellteilung geht fröhlich weiter. Ab einem 16-Zeller spricht man von der Morula (Maulbeere). Diese Entwicklung sollte am Tag 4 abgeschlossen sein.

Tag 5-6
Der Zellhaufen entwickelt sich zur Blastozyste und besitzt inzwischen um die 200 Zellen. Da die Embryonalentwicklung in den ersten 3 Tagen noch „material“ gesteuert ist. d.h. dass sie einem schon in der Eizelle gespeicherten automatischen Programm unterliegt, sagen die Entwicklungstage 4 bis 6 deutlich mehr über die Entwicklungsfähigkeit eines Embryos aus. Ab da läuft die Weiterentwicklung schon unter der Regie des embryonalen Erbguts. Mein Biologe sagte dazu, ab da kocht dann der Mann die Suppe. Nur etwa 30-50 % der befruchteten Eizellen erreicht dieses Stadium. Dieses Entwicklungsstadium entspricht dem kurz vor der Einnistung.


So…und ab wann geht´s wieder zurück zur Mama? In der Petri-Schale ist noch keines groß geworden.


Der Embryonentransfer kurz ET

Ein Transfer am 2. oder 3. Tag bietet sich vor allem dann an, wenn nur wenige befruchtete Eizellen vorhanden sind. Ich habe z.B. nie mehr als zwei, da steht schon am Tag nach der Punktion fest, welche Embryonen zurückübertragen werden. Also gibt es keinen Grund, die Kleinen länger als nötig in der Kulturschale zu belassen.


Bei jüngeren Frauen oder generell bei Frauen mit einer größeren Ausbeute kann eine Blastozystenkultur angestrebt werden. Da es nur etwa 30-50 % bis zur Blastozyste schaffen, hilft also die Blastozystenkultur, die Embryonen auszuwählen, die das größte Entwicklungspotential haben. Daher dann erst Transfer am Tag 5 oder 6 nach Punktion… kurz PU + 6.

In Deutschland dürfen nur maximal 3 Embryonen rückübertragen werden, sogenannte Dreierregelung laut §1 Embryonenschutzgesetz ESchG. Ebenso dürfen in Deutschland nur imprägnierte Eizellen im Vorkernstadium (also vor Verschmelzung der Vorkerne) eingefroren werden…

…die Kryokonservierung

Die befruchteten Eizellen wandern in flüssigen Stickstoff und werden bei -196 Grad Celsius tiefgefroren. Danach sind sie jahrelang haltbar und können nach dem Auftauen zu Embryonen weiterentwickelt werden…das sind dann Eisbärchen. Einziger Nachteil von so einem Kryotransfer ist die niedrigere Erfolgschance, denn manche Eizellen entwickeln sich nach dem Auftauen nicht weiter.
Was passiert nun eigentlich mit den überschüssigen Embryonen, die bei einer Blastozystenkultur eventuell verbleiben? Eigentlich müssten die dann abgetötet werden oder für evtl. Forschungszwecke bereit stehen, da ja nur drei rückübertragen werden dürfen. Gesetzlich ist das bei uns allerdings verboten. Wenn das jemand weiß, kann er mir gerne eine Mail schreiben, denn wie das genau läuft, weiß ich auch nicht.

Ok..nun wird es spannend…der Transfer

Ihr habt von eurem Biologen Tag und Uhrzeit genannt bekommen. Das ist nun der schönste Teil an so einer künstlichen Befruchtung, finde ich jedenfalls. Bei uns ist es so, dass ich in einem eigens dafür eingerichteten Behandlungszimmer bin, direkt neben dem Labor. Kurz vor dem Transfer wird vom Biologen der Embryo beurteilt (es gibt A-, B- usw. Qualitäten). Dann kann ich über einen Monitor an der Wand meinen kleinen Schatz das erste mal sehen. Ich kann zuschauen, wie er auf den Katheter gezogen wird. Mein Doc. öffnet den Muttermund und führt den Ultraschallkopf ein. Jetzt kommt der große Moment…Katheter wird eingeführt und ich kann am Bildschirm sehen wie der kleine Schatz in die Gebärmutter hüpft. Läuft alles normalerweise schmerzfrei ab. Juhu…ab dann bin ich wieder „ein bisschen“ schwanger.

Ich gönne mir vorher und hinterher noch je eine halbe Stunde Akupunktur. Hier werden Nadeln auf bestimmte Akupunkturpunkte gesetzt, die durch Ausschüttung körpereigener Glückshormone, schmerzlindernd und psychisch entspannend wirken und die Durchblutung einzelner Organe, wie die Gebärmutter anregen können. Da liegt man dann da und hat Nadeln von oben bis unten im allen möglichen Stellen stecken…sogar in der Bikinizone. Man glaubt es kaum, aber irgendwas bewirkt das im Körper. Ich kann spüren, wie um die Nadeln herum alles warm wird und es kribbelt so angenehm…meistens. Manchmal tut es dann auch weh.


Warteschleife
Ab da beginnt die Warteschleife…zwei Wochen „schwanger“ sein, ohne zu wissen, ob man wirklich schwanger ist. Es gibt viele Verhaltensregeln, die im Internet kursieren für diese Zeit. Ich habe sogar mal gelesen, man soll keinen Kaugummi kauen. Schaut am besten erst gar nicht auf solche blöden Seiten. Verhaltet euch wie immer, nur macht alles mit Bedacht und schööööööön langsam. Lauft keinen Marathon und macht keine Diät. Die Kleinen können beim Pipimachen nicht rausrutschen, das passiert nicht, aber macht auch bitte kein übertriebenes Bauchmuskeltraining. Ich mache in dieser Anfangs-Zeit deshalb auch kein Pilates. Hört einfach auf euren Körper, das solltet ihr sowieso viel öfter tun. Der sagt einem rechtzeitig, wenn was falsch läuft.

Nach IVF/ICSI wird meist in dieser lutealen Phase immer noch zusätzlich Progesteron gegeben. Ich habe auch schon mal HCG (Brevactid) nachgespritzt um die Einnistung (Nidation) zu begünstigen. Als Progesteron gibt es z.B. Utrogest, Crinone oder Lutinus. Ob nun Tablette oder Gel, gleich ist, dass alles vaginal eingeführt werden muss. Progesteron wird ja normal auch „da unten“ produziert (siehe Teil I meines Artikels) also wird es am besten über die Schleimhäute aufgenommen. Aber nüchtern betrachtet, obliegt es jetzt der Natur, ob die Kleinen sich festbeißen. Wir können nur günstige Voraussetzungen schaffen, aber letztendlich haben wir doch keine Erfolgsgarantie.

Wenn nun die Warteschleife dem Ende entgegen geht…glaubt mir, das geht an keiner gelassen vorbei. Ich habe schon so manche Warteschleife durchgestanden und ich kann von mir behaupten, ein gelassener Mensch zu sein. Ihr solltet mich mal sehen, wenn wir zum Bluttest fahren. Für Witze bin ich da nicht mehr aufgelegt. Ich habe mir jedenfalls abgewöhnt, Pipiteste zu machen. Das kann nun jeder handhaben wie er möchte, aussagekräftig ist erst der Bluttest. Nach PU + 14 oder später wird Blut abgenommen und ihr erfahrt, ob ihr nun wirklich schwanger oder nicht schwanger seid.

Gratulation wenn ja…wenn nein, die Welt geht nicht unter. Gebt nicht auf!



Teil V


Wie passend…ich wollte heute erklären, was eine TESE ist. Eine Testikuläre Spermienextraktion wird gemacht, wenn eine Azoospermie vorliegt. Ja…und was ist eine Azoospermie? Das ist zum einen dieses scheiß Wort (sorry dafür) was unter dem Spermiogramm meines Mannes steht und zum anderen der medizinische Ausdruck für das vollständige Fehlen von Samenzellen im Ejakulat… folglich, männliche Infertilität (Unfruchtbarkeit). In diesem Fall kann man versuchen, operativ Gewebematerial aus den Hoden zu entnehmen. Es wird überprüft, ob in diesem Material Spermien vorhanden sind. Falls ja, werden sie auf Eis gelegt (kryokonserviert) und für eine ICSI später aufgetaut. So ist es auch Männern mit Azoospermie möglich, Kinder zu zeugen…zwar recht schmerzhaft, aber immerhin. Mit schmerzhaft meine ich hierbei nicht die OP, sondern eher die Tage danach. Es können sich Hämatome bilden und die Hoden „erleuchten“ in vielen bunten Farben.
Spermiogramme sind immer nur Momentaufnahmen. Es kann sein, dass heute eine Azoospermie vorliegt und ein paar Monate später wieder Spermien nachweisbar sind. Ich habe erst gestern von einer Blogschwester erfahren, dass bei Ihrem Mann durch die Gabe von Tamoxifen nach vier Wochen wieder Spermien nachweisbar waren. Es ist also möglich… wenn die Umstände passen und die Zeit da ist, muss nicht sofort eine TESE vorgenommen werden. Lasst euch von eurem behandelnden Arzt genau darüber informieren und brecht keine Entscheidung über das Knie. Sowohl Operation als auch Hormonbehandlung müssen abgewogen und für euren Fall zugeschnitten sein.
Neben der TESE gibt es auch noch die MESA. Wenn z.B. der Mann nicht ejakulieren kann aufgrund eines Samenleiterverschlusses, werden die Spermien aus den Nebenhoden gewonnen und können für eine ICSI verwendet und/oder eingefroren werden.
Und was gibt es noch?
Assisted Hatching auf deutsch…Schlüpfhilfe
Der Embryo ist anfangs noch von einer Schutzhülle umgeben, die Zona pellucida. Kurz vor der Einnistung verlässt der Embryo diese Hülle, er schlüpft sozusagen. Bei besonders dicken Eihüllen oder verhärteten Eihüllen ist es dem Embryo nicht möglich, aus seiner Haut zu kommen. Dies kann z.B. bei älteren Frauen oder bei kryokonservierten Eizellen der Fall sein. Hier kann mit einem Laser eine Sollbruchstelle erzeugt werden, die das „Schlüpfen“ erleichtert. Es wird nur die äußere Hülle angeritzt, dem Embryo selbst passiert nichts.
Ob es hilft oder nicht scheint umstritten zu sein, jedenfalls handelt es sich meist um eine Zusatzleistung und wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.




Online-Ratgeber von Jemada.de
Vor kurzem wurde ich auf einen Online-Ratgeber zum Thema Kinderwunsch aufmerksam gemacht. Ich finde ihn, gerade für "Anfänger",  informativ und ansprechend. Falls ihr mal reinschauen wollt, hier der Link:

Eizellspende

Ich habe mich in letzter Zeit immer wieder mal mit der deutschen Rechtsauslegung zur Eizellspende beschäftigt. Siehe auch dazu meinen Post "Lieber Herr Minister" auf dem Kiwu-Blog. Es ist ein Thema, welches ziemlich kontrovers diskutiert wird. Heute wurde mir ein Link "zugespielt" der schön alle Aspekte hierzu anschneidet. Mir gefällt zwar nicht, dass die Verfasser immer auf den "alten" Müttern rumhacken. Es gibt durchaus auch Frauen, die mit dem Thema konfrontiert werden und noch keine 40 Jahre alt sind. Und mein Freund Hüppe wird auch zitiert. Dem würde ich gerne mal begegnen. Also...lest selbst:

http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-16-01-2014/unerfuellter-kinderwunsch--eizellen-spende-im-ausland-als-letzte.html

Ich weiß nicht, wie lange er auf dieser Seite verfügbar ist. Falls der Link irgendwann mal nicht mehr zu einem Treffer führt, bitte bei mir melden.












Kommentare:

  1. Hab mir jetzt mal Dein Hintergrundwissen angeeignet ;)

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  2. Danke für diese Zusammenfassung - da erspart man sich weiteres Nachlsen ;) Dir Viel Glück und Erfolg!

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  3. Vielen Dank für die tolle und informative Zusammenfassung.

    Ich wünsch Dir von Herzen viel Erfolg!

    LG
    R.

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  4. Wow, da hast du wirklich tolle Arbeit geleistet mit deinem Hintergrundwissen, besser hätte man es nicht erklären können. Danke dafür und ich drück weiterhin alle Daumen, dass sich alles toll entwickelt. Ich werde noch ein bisschen brauchen bis ich deinen Blog komplett gelesen habe.
    Viele liebe Grüße
    Sternenmami

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  5. Vielen Dank!Ein super Beitrag.So ist es für jede ( n ) verständlich.
    Ich hatte aber auch gelesen dass der TF der EZ, von der Entnahme aus dem Reagenzglas bis zur Gebärmutter, nicht länger als 60 sekunden dauern sollte.

    Wünsche Dir alles gute und Babies!

    LG

    monalisa666

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  6. Danke für die ganzen Infos. Das hilft mir einiges zu verstehen, da mein Arzt leider weder die Zeit noch die Lust hat, mir alles (für dne Laien verständlich) zu erklären. Sehr schade..

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