Montag, 16. März 2015

Haben wir es verlernt?

...auf unsere innere Stimme zu hören?

Stillen...

Ich muss zugeben, ich hatte es mir einfacher vorgestellt. Zwei Kinder und zwei Brüste... Kein Problem. Angefangen hat es aber schon in der Klinik. Meine zwei Raupen waren noch so schwach, dass ich alle paar Stunden die Brust anbieten musste. Dann haben sie nicht richtig gezogen und sind gleich wieder eingeschlafen. Ich habe es über ein Brusternährungsset geschafft, dass die zwei auch die Brust akzeptieren und nicht nur den Gumminippel vom Fläschchen. Das sieht ja schon witzig aus. Ich habe PRE Nahrung im Fläschchen in die Achselhöhle geklemmt...da bleibt es schön warm. Dann wurde eine Kanüle in den Sauger gesteckt und auf die Brust getapet. Das Ende der Kanüle liegt dabei auf der Brustwarze. So konnten die Kinder an die Brustwarze gewöhnt werden und haben trotzdem ausreichend getrunken.

Zuhause ging es dann weiter. Meine Hebamme hat die Kinder immer wieder gewogen und mir ans Herz gelegt, die Stillabstände am besten auf zwei Stunden zu verkürzen, da die Kleinen nicht richtig zunahmen. Hallo?? Alle zwei Stunden? Ich stillte zwar zu dem Zeitpunkt schon Tandem, aber musste ja auch noch abpumpen um den Milchfluss anzuregen. So brauchte ich für eine komplette Runde mit wickeln, stillen und abpumpen bereits gut zwei Stunden. Dann wäre gerade noch Zeit gewesen mal schnell Pipi zu gehen und dann müsste ich von vorne beginnen. Wir einigten uns auf zufüttern in größerer Menge. Leute...das war bisher der schlimmste Tag mit meinen zwei Raupen. Ich habe gewickelt, gestillt, zugefüttert, oder besser gesagt reingestopft was ging und abgepumpt. Oh Gott haben die zwei im hohen Bogen gespuckt, grausam...und haben nur herzzerreißend geweint. Und ich gleich mit. Ich war nur am heulen. Ich war so hilflos. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich meine Kinder nicht ernähren kann...dass sie mir verhungern, weil sie nicht richtig zunahmen...weil sie eben nicht so "funktionierten", wie es eine Tabelle vorschreibt. Ich bin irgendwann ins Bett gefallen und habe mich in den Schlaf geheult. Beim Aufwachen fiel der Entschluss: "Die können mich jetzt alle am A*sch lecken" Wir machten das ab da so, wie mein Bauchgefühl es vorgab. Ich stillte wieder alle 3-4 Stunden und gab danach tagsüber ein Fläschchen  mit 50 ml PRE Nahrung. Nachts stillte ich ausschließlich, aber regelmäßig alle drei Stunden. Die Folge? Ich war entspannter, die Kinder waren entspannter und weinten nicht mehr. Und das beste war, sie nahmen trotzdem zu.

Was zeigt mir das? Hanni...zum Mami werden gehört auch, auf deine Intuition zu hören. Klar, gibt es Tabellen, Durchschnittswerte und Vorgaben, die verhindern sollen, dass Kinder sich nicht richtig entwickeln. Aber meine zwei waren jetzt keine Frühchen, sie wogen ja bereits knapp zwei Kilo und machten mir nie den Anschein, dass ihnen etwas fehlt. Die Hautfarbe war rosig, die Windeln immer voll und wenn sie mal wach waren, waren sie ja sowas von zuckersüß. Dieser schreckliche Tag...ich nenne ihn mal "Vorfall"...hat wohl das Muttertier in mir geweckt. Es ist nicht einfach, Entscheidungen für so kleine hilflose Wesen zu treffen. Aber tief in einem sitzt doch so etwas, das sich Urinstinkt nennt. Leider ist es heutzutage so, dass wir den gerne überhören.

Warum eigentlich? Früher gab es keinen Onkel Google, keine Stillberater, nicht tausend Ratgeber, keine Referenzkurven der Weltgesundheitsorganisation und keine schlauen Apps. Es gab die eigene Mutter, es gab die Hebamme mit ihrem Erfahrungsschatz und es gab die Bauchstimme. Selbst das hat bestimmt schon gereicht, um hin und wieder durcheinander zu kommen. Aber heute hat man eine richtige Flut an Informationsquellen. Wem soll man denn da glauben? Ich bin ja selbst so ein Internetjunkie. Das Internet bietet Antworten auf alle Fragen. Blöd nur, dass die Antwort einmal so und einmal ganz anders lautet. Auch ich verschlinge Ratgeber zum Thema Stillen. Hab mir sogar ein Buch gekauft zum Thema Zwillinge stillen (übrigens empfehlenswert...von Susanne Wittmair). Ja...und ich tausche mich auch mit anderen Müttern aus. ABER...die Stimme in mir hat künftig immer das letzte Wort. Mein Bauch entscheidet, was gut für uns ist. Denn nur dann kann ich diese Nächte überstehen, in denen ich gerade mal eine Stunde zur Ruhe komme...oder diese Tage, an denen ich von morgens bis abends ununterbrochen stille...und nur dann habe ich das Gefühl, das richtige zu tun, obwohl Manni an der Brust schier abdreht, draufhaut und reinbeißt...keine Ahnung warum er das gerade macht. Jedenfalls habe ich mich mit meinem Urinstinkt gerade wieder angefreundet und freue mich jedesmal aufs Neue von ihm zu hören.

Wenn meine Kinder mich anlächeln, weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe und mein Herz geht auf.

Eure Hanni

Kommentare:

  1. Liebe Hanni, der Urinstinkt, das Bauchgefühl, die Intuition, drei Dinge, die, wie du schon beschreibst, zum größten Teil ausreichend sind, um das richtige zu tun! Kopf, Google oder gut gemeinte Ratschläge sollten nur minimalen Einfluss haben und uns lediglich auf neue Ideen bringen! Ich kann zwar (noch) nicht wirklich mitreden, aber ich finde, du machst das mit deinen Königskindern klasse! Da können sich andere eine Scheibe von abschneiden! Ich drück dich *Pippi*

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    1. Das ist schön gesagt... Sie sollten uns nur auf neue Ideen bringen. Das ist gut.

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  2. Hanni, du machst dasgoldrichtig - ich wünsch dir weiterhin so viel Bauchgefühl und Intuition!
    Alles Liebe

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    1. Huhu... Du kannst es ja auch gut gebrauchen ... So ein Bauchgefühl ;-) Gratuliere

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  3. Liebe Hanni,
    ich bewundere Dich und Dein Bauchgefühl - und Deine Königskinder für Ihre Geduld und ihr eigenes Bauchgefühl.
    Meine beiden (18 Tage alten) Jungs und ich haben bzw. hatten das Bauchgefühl, dass wir das Stillen zugunsten entspannter Mama und entspannter Zwerge lassen und sind seitdem auch Alltagstauglich...
    Ich finde es gut, richtig und wichtig, dass jeder SEINEN Weg findet und geht und drück Euch aus der Ferne ganz doll!
    LG
    Tonks mit Mini-Me Eins und Zwei

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  4. Oh Gratulation liebe Tonks zu den kleinen Mini-me's!! Ja das stimmt. Lass dir nur nix einreden und hör weiterhin auf deinen Bauch!

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  5. Es wird leider immer weniger aufs Bauchgefühl gehört :-( .

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  6. Den bösen Onkel Google kenne ich auch nur zu gut!Kein netter Zeitgenosse!
    Du hast letzten Endes auf Dein Bauchgefühl gehört und es freut mich,das es das Beste für Deine Kinder war!Und auch dem eigenen Ego tut es gut-also alles richtig gemacht! Ich gratuliere Dir nachträglich noch einmal für Dein doppeltes Wunder und schlaf in Deinen freien drei Stunden besonders gut :-)

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