Freitag, 18. April 2014

Ich bin ein Stück Brot


Ich fühle mich wie in Watte gepackt. Also halt meine Emotionen... die sind wie in Watte gepackt.

Wenn ich mich so umschaue, sehe ich immer wieder Menschen, die so richtig emotionsgeladen sind. Sie stecken so voller Leben. Da wird hemmungslos gelacht, geschimpft, gelästert....kurz um, da wird Dampf abgelassen. Und ich? Die langweilige Hanni, sitzt da und fragt sich: Kann ich das noch? Konnte ich das jemals? Wann denn zuletzt?

Was ich gut kann ist heulen. Dabei bin ich echt klasse. Ich könnte Kurse geben. Nein, nein stopp. Ich heule momentan eher selten. Ich komme mir gerade nur so eingepackt vor...Versteht ihr? Emotional ausgebremst trifft es vielleicht besser.

Wann bin ich denn das letzte mal total ausgetickt?

Ich rege mich nicht im Straßenverkehr auf. Ich halte lieber Abstand zu denen, die rasen und Kurven schneiden und mir den Parkplatz rauben. Sollen sie doch machen. Meine Arbeitskollegen sind mir wurst...also halt, die neuen...die, die so anders sind....die, die wahrscheinlich zu viel verdienen, für das, was sie den ganzen Tag vermurksen. Selbst da verdrehe ich nur mal kurz die Augen und denke mir, dass die vermutlich bei der nächsten Eiszeit sowieso in die erstbeste Gletscherspalte stürzen werden, weil sie es nicht blicken. Und mein Lieblingsaufreger von früher...mein Schwiegermonster.... selbst die erscheint mir inzwischen harmlos.

Ab und an beschäftigt mich etwas länger, tiefer. Dann schreibe ich einen Brief. Wie zum Beispiel an den Herrn Gesundheitsminister. Ok... Aber selbst dabei bin ich doch eher sachlich.

Wann bitteschön bin ich denn das letzte mal vor Lachen vom Stuhl gefallen?

Ich kann schon noch lachen. Das geht. Aber dieses hemmungslose Lachen bis die Tränen kommen, das ist schon lange her. Oder hat man das nur zu Teenie Zeiten, wenn die Hormone verrückt spielen? Ich kann mich auch noch für Dinge begeistern. Meine Zimtschnecken zum Beispiel...die von letztem Sonntag. Gebacken in der Glut vom Lagerfeuer. Die Dinger sind unten kohlrabenschwarz geworden! Ich muss wohl noch etwas üben mit Ober- und Unterhitze beim Backen im DutchOven. Früher wäre ich ums Feuer gehüpft wie eine Irre und hätte mir die Haare gerauft. Und nun...ich gehe ganz gelassen in die Küche und schneide den schwarzen Teil weg, ohne auch nur einmal mit dem Fuß zu stampfen.

Was ist nur los? Ich möchte mich ja nicht täglich bis hin zur Schnappatmung aufregen, aber so ein bisschen Emotion wäre schon mal wieder ok. Ist mir alles um mich herum egal geworden? Laufe ich künftig als Brotscheibe durch die Welt?

Ich war noch nie wirklich explosiv. Es muss tatsächlich sehr viel kommen, damit ich hochgehe. Aber hin und wieder konnte ich das...konnte ich mich über Begebenheiten, Personen, Missgeschicke aufregen und eine ganze Sammlung von Schimpfworten regnen lassen. Schimpfworte, bei denen viele von euch rote Ohren bekommen würden. Aber nein. Das kann ich wohl nicht mehr.

Inzwischen ist es eher so, dass ich viel nachdenke. Über das Leben; mein Leben; Dinge, die passieren in meinem Leben; Dinge, die um mich herum geschehen. Scheinbar bin ich zu sehr in mich gekehrt. Ich mag es gerne ruhig. Zu ruhig. Langweilig. Außerdem bin ich menschenscheu. Ich bin kein Rudelmensch. Wenn alle links herum gehen, gehe ich lieber rechtsherum. Da habe ich mehr Platz.

Vermutlich ende ich eines Tages als Eremit... oder eben als ein Stück Brot.

Eure Hanni

Kommentare:

  1. Ach Hanni, zuhause bekommt mein Mann denke ich oft rote Ohren und erlebt leider viele viele Zornesausbrüche...aber nur zuhause, was auch besser so ist ;) Manchmal würde ich mich das gern verkneifen und kann es nicht. Das Lachen bis die Tränen kommen das vermisse ich auch. Da wären wir wieder bei der Unbeschwertheit, die ich gerne zurück möchte...ab und zu gelingt uns das schon wieder, aber noch vor einem Monat hätte ich auf deinen Post etwa so geantwortet: ja es geht mir ganz genau so...
    Aber Hanni - du bist nicht langweilig, ganz und gar nicht. Natürlich denken wir viel nach zu manchen Zeiten eben mehr als sonst...ich bin mir sicher, es kommen auch wieder Zeiten, in denen du stampfend ums Feuer gehst und dir dabei dir Haare raufst und deine verbrannten Zimtschnecken verfluchst. Ganz bestimmt.
    Und wenn du auf der anderen Seite gehst weil du Platz brauchst und still jemand hinter dir läuft dann bin das bestimmt ich ;) denn draußen in der großen Welt bin ich auch menschenscheu und ziehe mittlerweile die ruhigen Plätzchen vor...

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    1. Ich freue mich schon auf dich, wenn wir uns auf "meiner " Seite begegnen.

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  2. Liebe Hanni,
    du hast so viel hinter dir,
    kein Wunder, dass da mal die Luft raus ist.
    Momentan fühle ich mich auch abgestumpft und kann ich mit Freunden kaum mitfreuen. Mag auch nicht von mir und meinen Gefühlen reden, bin lieber Zuhause...
    Aber ich bin sicher, es wird sich bei uns ändern.
    Gib dir noch ein bischen Zeit.
    Die Tage werden länger, die Sonne scheint öfter.
    Es wird besser!!!
    Du bist stark, meine Liebe! Vergiß das dicht!
    Und bald hast du wieder enug Energie für alles...
    Drücke dich!
    ♥ Lilly

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  3. Liebe Hanni,

    du bist vieles, aber ganz bestimmt nicht langweilig. Wenn du dich fühlst wie ein Brot - Brot ist auch nicht langweilig. Brot ist toll! Brot ist aufregend! Brot ist so vielfältig, es gibt so viele Variationen: mal süss und weich wie Rosinenbrot, mal herzhaft-pikant wie ein Pepperoni-Feta-Kringel.

    Nichts riecht so gut wie frisch gebackenes Brot, das einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Nichts ist so aufregend, wie ein selbstgebackenes Brot aus dem Ofen zu holen - zu sehen, dass es unperfekt-perfekt ist, die feste Krumme zu spüren und dann das weiche und doch feste Innere. Mir gibt Brot ein Glücksgefühl.

    Als es hieß, ich müsste komplett auf Kohlehydrathe verzichten, um meine Stoffwechselprobleme in den Griff zu kriegen, da war die Trennung vom Brot am schlimmsten. Nicht Kartoffeln, nicht Nudeln (obwohl ich die liebe), nicht Reis oder so - wie sollte es werden ohne Brot?

    Ich habe Alternativen gefunden, ja. Auch welche die ich echt mag. Aber keine ist wie Brot.

    Ich bin kein Brot, aber ich wünschte oft, ich wäre eines. Ich bin wie ein Teekesselchen - mit Wasser gefüllt und irgendwann brodelt es und kocht, dann kommt der Dampf raus und manchmal ist das gut. Aber allzu oft holt jemand das Teekesselchen nicht rechtzeitig vom Herd und dann ist die ganze Luft raus, das Teekesselchen ist leer und wenn man dann immer noch nicht aufpasst, brennt es durch und geht vielleicht kaputt. Es ist anstrengend ein Teekesselchen zu sein.

    Deshalb habe ich ein Brot geheiratet - zwei Teekesselchen in einem Leben geht nicht - und dieses Brot tut mir gut.

    Brot ist toll und du bist es auch!

    Ich drück dich,

    ZweiLinien

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    1. Was soll ich sagen? Irgendwie bin ich nun stolz drauf, ein lecker Brot zu sein. Danke meine liebe ZweiLinien. Brot scheint doch recht vielseitig zu sein.

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    2. Ich schließe mich ZweiLinien hier zu 100% an - ich habe nämlich auch ein Brot geheiratet, dass meine impulsive Ader wunderbar ausgleicht, ohne dabei langweilig zu sein!

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  4. Kann mich den Ausführungen von ZweiLinien nur anschließen. Beim lesen ist mir dich glatt das Wasser um Mund zusammengelaufen. Brot ist toll, ich könnt auch nicht ohne! Wär die letzten Jahre im Büro ganz schön langweilig ohne meine Zimmergenossin gewesen!

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  5. Aaahhhh! Wurstfinger olé! Sollte heißen "doch glatt" und "im Mund"... Deine S.

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    1. Ach liebe Wurstfinger-S., schön von dir zu lesen. Ohne mich würde deinem Nutella die Grundlage fehlen. Ich weiß ja, ich bin nicht langweilig. Komme mir nur gerade so leer vor.

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  6. Liebe Hanni, ich kann mich ZweiLinien nur anschließen: Brot ist wunderbar und ich möchte auch nie darauf verzichten. Und nach all dem was Du erlebt hast und der Zeit die vergangen ist, ist das glaube ich eine ganz normale Reaktion. Mein Mann sagt immer wir haben unsere Leichtigkeit verloren. Auch bei mir ist ein herzhaftes Lachen seltener geworden und obwohl ich schon immer ein sehr unternehmungslustiger Gesellschaftsmensch bin, haben wir uns das letzte Jahr ganz schön zurück gezogen. Manchmal bin ich jetzt auch ein Brot obwohl ich eigentlich eher das von ZweiLinien so treffend beschriebene Teekesselchen bin.
    Ich wünsche Dir, das Du bald wieder ein Brot mit hohem Energiegehalt wirst, im Moment sparst du Dir die Energie bestimmt für die Zeit nach der Pause. :)
    Fühl' Dich fest gedrückt.
    Tenni

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    1. Das hast du schön gesagt... ein Brot mit hohem Energiegehalt... ja, da will ich wieder hin.
      Danke Tenni
      Dir schicke ich weiterhin alle Daumen der Welt

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