Montag, 21. April 2014

Unverhofft


Unverhofft kommt doch allzu oft....

Wir haben vor kurzem eine Einladung zu einem Geburtstag bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Das Geburtstagskind zählt zu den Menschen, die mich nun schon seit meiner Vorschulzeit begleiten. Genauer betrachtet, würde ich sogar sagen, ist sie die einzige meiner Freunde, die ich aus dieser Zeit noch habe. Wir sind inzwischen nicht besonders oft zusammen, jeder hat seine eigenen Kreise...aber ein paar Mal im Jahr unternehmen wir etwas gemeinsam und unsere Gespräche sind immer ehrlich. Geburtstag feiern war seit langem nicht mehr angesagt. Sie zählt auch zu den Geburtstagsflüchtlingen. Umso überraschender kam also die Einladung.

Und obwohl ich meine einsame Seite vorgezogen hätte, bin ich...sind wir...hingefahren. Zum Glück. Es war ein wunderschöner Abend. Ich kannte niemanden außer der Gastgeberin und ihrer Familie. Doch es haben sich im Laufe des Abends viele tolle Gespräche entwickelt, ich war locker und entspannt. Wir waren irgendwie wie Exoten, wir waren die einzigen, die verheiratet sind. Wir waren die einzigen, die schon soooooooooo lange zusammen sind. Und ja...wir waren die einzigen ohne Kinder. DAS allerdings ist lange nicht aufgefallen.

Wir saßen beim Essen sogar am "Kindertisch" und ich habe mich prächtig unterhalten. Hat mir doch einer der Zwerge erzählt, dass er vom Osterhasen "So eine Kiste, wo man Kristalle wachsen lassen kann" bekommen hat, aber von seinen Eltern hat er gar nichts bekommen. Frechheit, oder?

So amüsierte ich mich durch den Abend, stand am Stehtisch und bekam von links den unverhofften Keulenschlag...der, von dem ich vor kurzem noch behauptet habe, ich wüsste, dass er kommt. "Wo sind eure Kinder...ihr habt doch Kinder?" Ja klar, es kannte uns ja niemand. Ich war so überrumpelt, ich hatte gar nicht daran gedacht, dass mich das mal wieder jemand fragen könnte. Auf den meisten Festen kennen uns die Leute schließlich und wissen, dass wir keine Kinder haben.

Normalerweise startet in solchen Situationen immer das Notprogramm:
Neutralen Gesichtsausdruck herstellen.
Dem Gegenüber direkt in die Augen sehen.
Mund sagt: "Ach, was kommt, das kommt.".
Hand führt Abwinken aus.
Blick schweifen lassen.
Mund setzt ein Lächeln auf, während Hirn die Ablenkungs-Datei nach geeigneten Themen durchsucht.

Dieses Notprogramm scheint wohl einen App Hang gehabt zu haben und ist nicht zeitnah hochgefahren. Mein Betriebssystem war in dem Moment der Realität ausgesetzt und total überfordert.
Neutraler Gesichtsausdruck: Error
Augen: unkontrolliert
Mund stammelt: Äh, ne.

Mein Gegenüber meinte dann...Oh, ist doch auch schön. So könnt ihr eure Zweisamkeit total genießen.

Hirn: Aussetzer
Mund wieder auf sich alleine gestellt: Äh...Naja, so war das aber nicht geplant.
Schweißdrüsen: aktiviert

Ich nehme das meiner Gesprächspartnerin gar nicht übel (meinem Notprogramm allerdings schon). Sie hat übrigens toll reagiert. Nur kurz meine Hand gedrückt und ok gesagt und sofort das Thema gewechselt.

Ich rege mich dabei eigentlich nur über mich selbst auf. Die Frage war nicht böse gemeint und war absolut vorhersehbar...Hallo Keule, ich wusste, dass du kommen wirst... Mich hat das nur schon so lange niemand mehr ernsthaft gefragt, dass ich total aus dem Konzept kam. Ziemlich unvorsichtig von mir.

Also merke: Bevor man aus dem Haus geht...bevor man unter fremde Menschen geht....IMMER Konfiguration des Notprogramms überprüfen.

Liebe Grüße
Eurer Hanni-Brot


Kommentare:

  1. Oh je. Dass die einem aber auch immer dann mit solchen Fragen auflauern wenn man so rein gar nicht damit rechnet...!
    GLG

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  2. Liebe Hanni,

    ich lese schon so lange deinen Blog mit, habe mich aber noch nie gemeldet. Heute aber sage ich mal etwas, weil ich glaube, dass du dir hier selbst im Weg stehst. Wieso brauchst du denn ein Notprogramm bitte? Andere Menschen haben Diabetes, eine Niere zu wenig, eine Lebensmittelallergie, du hast leider noch kein Kind. Das ist eine Tatsache, die du doch nicht verstecken musst.
    Warum möchtest du denn deinem Gegenüber, wenn die Frage nach den Kindern kommt, vermitteln, dass es dich doch eigentlich gar nicht sooooo interessiert. So lese ich das nämlich. Warum möchtest du nicht die Wahrheit sagen? " Nein, leider nicht, obwohl wir es schon lange probieren." Du musst ja nicht die GAAAAANZE Geschichte erzählen, geht die anderen ja auch nichts an. Aber ehrlich sein. Ehrlich sein mit deiner Umgebung UND vor allem mit dir. Du tust alles alles alles was nur möglich ist, um Kinder zu bekommen. Warum möchtest du das verstecken ? Ich finde das auch nicht fair dir und deinem Körper, der ja wirklich viel mitmacht, gegenüber. Und wenn die Katze aus dem Sack ist, vielleicht kommen dann auch andere Leute auf dich zu und sagen, dir was sie so alles erlebt haben, bevor sie Kinder hatten. Ich sehe die Möglichkeit für drei Reaktionen, auf die du dich vorbereiten kannst :
    1. Ein bestürztes, überfordertes : Das tut mir Leid -> Themawechsel.
    2. Ein kennendes Nicken: Oh, so ein Mist, aber halte durch, das wird schon und wir haben auch lange gebraucht ( oder Freunde oder irgendwer, den die andere Person kennt ) -> Themawechsel, wenn du es willst, oder kleiner Austausch über ein Thema, das dich beschäftigt.
    3. Worst Case, aber auch legitim : Das ist schade, habt ihr denn schon mal an Adoption gedacht? -> Und auch da ehrlich sein, hmh eigentlich lieber eigene Kinder.

    Ich glaube, das ist viel einfacher, als so eine irgendwie verkrampft wirkende "Schildkröten"- Haltung, wenn die Frage kommt, wehrhaft bleiben und versuchen so zu tun, als ginge mich das nichts an. Das lässt einen doch nur noch mehr verkrampfen und vor allem ärgert es dich jetzt, weil du einmal entspannt warst und nicht versucht hast alles unter Kontrolle zu halten und die Situation tatsächlich nicht unter Kontrolle hattest. Lass los, man muss nicht alles kontrollieren, spontan sein! <3

    Sorry für den Roman, aber dieses eine Mal brannte es mir wirklich auf der Seele. Jetzt bin ich wieder stille Leserin
    Viele liebe Grüße
    Alexandra

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    1. Liebe Alexandra,

      ich freue mich immer über Kommentare. Und ich freue mich besonders über solche Kommentare.

      Du regst mich zum denken an. Das war ein besonders wichtiger Grund für mich, diesen Blog zu führen. Wenn ich alleine geblieben wäre mit all meinem Gedankenschmurks, hätte ich mich nicht weiterentwickeln können.

      Du hast recht. Warum sollte ich ein Notprogramm haben? Ich glaube, das kommt noch von damals. Kurz nach der Hochzeit kam die Frage nach den Kindern dauernd und ich wollte und konnte nicht darüber reden. Es tat einfach zu sehr weh. Inzwischen habe ich aber tatsächlich gelernt, mit meiner Situation offener umzugehen. Also warum sollte ich nicht mal die Wahrheit sagen? Ich muss ja nicht komplett ausholen.

      Passieren kann mir nichts, nur mein Gegenüber kann vielleicht etwas überrascht sein. Aber wer fragt, muss mit einer Antwort rechnen. Ich war am Sonntag nur so überrascht, dass mich das echt mal wieder jemand fragt, dass ich komplett aus dem Tritt kam.

      Ich hoffe, ich bin das nächste Mal so mutig und sage einfach die Wahrheit. Dieses alte Verhaltensmuster steckt noch ziemlich tief in mir.

      Liebe Grüße
      Hanni

      Du darfst gerne etwas lauter werden...du stille Leserin.

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    2. Beide Gedankengänge haben etwas für sich, finde ich.

      Ich gehe auch sehr offen mit dem Thema um, habe aber nicht immer Lust alles zu erklären oder mir blödes Zeug anhören zu müssen. Es gibt nämlich noch eine dritte Variante der Reaktionen des Gegenübers:
      Ach, ihr solltet nicht so viel darüber nachdenken und fahrt doch mal in Urlaub. Dann klappt das schon, war bei uns auch so.
      Und manchmal braucht man für diese Variante ein Notprogramm.

      Liebste Grüße an euch beide <3
      Eure Holly

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