Samstag, 21. September 2013

Rückblick auf 10 mal ICSI


Nach der 10. ICSI darf man mal einen Rückblick wagen. Ich kann es nicht glauben, aber ich habe bereits 10 mal dieses Abenteuer gewagt.

Angefangen hat unser Weg mit meinen katastrophalen Hormonwerten und dem Spermiogramm meines Mannes, bei dem nur zwei tote Spermien gefunden wurden. Wir wagen eine TESE und juhu, es wurden ausreichend viele und gesunde Spermien gefunden, die wir auf Eis gelegt haben. Ich sage immer, wenn Gott oder das Schicksal oder wer auch immer dafür verantwortlich ist, gewollt hätte, dass wir keine Kinder bekommen, hätte man hier aufhören sollen, mit uns zu spielen. Wäre die TESE erfolglos geblieben, wäre unser Weg bereits hier beendet gewesen. Aber nein... die Hoffnung siegt.

Meine erste ICSI war die pure Panik. Ich hatte solche Angst vor allem; alles war neu, alles war so fremd...ausgegangen ist diese ICSI damit, dass kein Follikel gewachsen ist und ich am Ende war.

Meine zweite ICSI beginnt ohne Blutung. Das erste Mal, dass mein Zyklus versagt. Aber trotz allem wächst etwas. Meine erste Punktion...ein Follikel....aber er übersteht seine erste Nacht nicht. Wieder liege ich am Boden.

Meine dritte ICSI läuft gut. Ein Follikel...Punktion...mein erster Transfer. Langsam stellt sich die Routine ein. Ich bin nicht mehr so nervös, das alles macht mir keine Angst mehr. Meine erste Warteschleife endet in einem Negativ. Wieder breche ich zusammen und wieder liege ich am Boden.

Meine vierte ICSI endet damit, dass ich angeschnallt auf dem OP-Tisch erfahre, dass mein Follikel verschwunden ist...vorzeitiger Eisprung trotz aller Medikamente. Mein endgültiger Zusammenbruch steht an. Ich will nur noch sterben. Aber ich lerne meine Fehler, meine Schwächen anzunehmen und finde langsam den Weg, meine Situation zu begreifen und zu akzeptieren. Ich gönne mir eine Pause.

Meine fünfte ICSI. Alles läuft super...ein Follikel...Punktion... Transfer... Warteschleife. SCHWANGER! Endlich am Ziel. Bis zur achten Woche...alle Werte gehen zurück. Ich verliere meinen Floh. Schock und wieder liege ich am Boden. Diesesmal brauche ich etwas länger, bis mein Kampfgeist wieder erwacht.

Meine sechste ICSI...Zyklustag 17...vorzeitiger Eisprung. Wiedermal trotz Downregulierung verliere ich unplanmässig mein Ei.

Meine siebte ICSI. Inzwischen bin ich Profi in Sachen Stimulation und Zyklus. Ich gehe zum Schall und zur Blutabnahme wie andere Leute zum Frisör. Wir wagen einen Versuch...ein neues Medikament. Große Hoffnung...große Enttäuschung. Das einzige, was wächst, ist eine Eierstockzyste.

Meine achte ICSI. Mein Zyklus versagt. Meine Estradiolwerte bringen es auf gerade mal 5 am Zyklustag 9. Menopause? Ich kann es wieder nicht fassen und muss lange an mir arbeiten, um einen neuen Versuch zu wagen.

Meine neunte ICSI. Eine schöne ICSI. ZWEI Eier, das gab es noch nie. Beide werden befruchtet und entwickeln sich bestens. Ich starte in die Warteschleife mit Pinki und Brain, meinen zwei Labormäusen unter meinem Herzen. Ich bin so zuversichtlich und falle tief, als alles doch wieder in einem Negativ endet.

Tja...und nun meine zehnte ICSI...nach langem hin und her endlich ein schöner Follikel, der allerdings wieder zu früh auf die Reise gegangen ist. Diesmal falle ich nicht so tief. Langsam bin ich auch Profi im Fallen.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir noch einen Versuch bis zum Schluss durchziehen möchten. Einmal noch bis Transfer.

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich ein Leben ohne Kinder vor mir habe. Auch wenn viele sagen, dass ein Leben zu zweit schön ist. Ja...ein Leben zu zweit ist schön. Ich habe meinen Mann bereits seit über 23 Jahren an meiner Seite und ich bin immer noch glücklich mit ihm. Wir reisen gerne und genießen unser Leben, wie es kommt. Doch wenn wir beide zusammen auf dem Sofa liegen, ist zwischen uns "im Gräble" noch Platz. Irgendetwas fehlt.

Ich möchte doch nur noch ein mal eine Chance bekommen. Ich kann noch nicht abschließen und mich von dem Gedanken lösen, eine Familie zu haben. Auch wenn ich mir manchmal wie eine dieser dummen Fliegen vorkomme, die ständig an die Fensterscheibe knallen, obwohl gleich daneben die Balkontür offensteht. Ich weiß, dass ich nicht schuld daran bin, dass alles immer schief geht, aber momentan könnte ich meinem Schicksal einfach nur mal kräftig ans Schienbein treten.

Ich weiß auch, dass ich nicht lange liegen bleiben werde. Mein Mann und ich sind uns einig, wir machen weiter bis zu unserer letzten Chance. Und mein Doc hat auch schon eine Idee, wie wir meinen LH-Spiegel in den Griff bekommen könnten, damit es nicht wieder zu einem vorzeitigen Abbruch kommt.

Momentan brauche ich allerdings noch ein paar Tage, um wieder aufstehen zu können. Ich habe einfach noch zu viele Tränen zu weinen. Das habe ich wohl am intensivsten gelernt in meiner ganzen KIWU-Zeit: Weinen ist keine Schande.

Eure traurige Hanni

 

 


 

 

Kommentare:

  1. Oh liebe Hanni, mit Deinem Rückblick hast Du mich zum Weinen gebracht. Du musstest schon soviel durchmachen und auch hier kann ich Dir nur noch mal sagen, wie sehr ich Deine Stärke bewundere und Respekt davor habe! Auch wenn es vielleicht kein Trost ist, aber ich denke, dass Du für viele auch ein Vorbild bist, weil Du immer wieder aufstehst! Mit unserem Schicksal müssen wir leben, aber sich nicht davon unterkriegen zu lassen, das ist die Kunst!
    Ich freue mich, dass Ihr weiter macht!
    Nun gönn´Dir kurze Ruhe und dann aber!
    Alles, alles Liebe für Dich,
    Lene

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  2. Liebe Hanni,
    weinen ist wirklich keine Schande,
    sondern es befreit!

    Beim Lesen deines Rückblicks hatte ich irgendwie
    das Bild eines Fallschirms vor Augen.
    Er wird kommen und dein Würmchen auffangen,
    damit es wohl in deinen Armen landet.

    Ansonsten kann ich mich Lene nur anschließen.

    Alles erdenklich Liebe
    und
    weiter so viel Kraft für dich!
    ♥ Lilly

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  3. Liebe Hanni,

    ich sitze hier und weiß nicht, wie ich dich trösten könnte. Wenn ich könnte, würde ich dich einfach in den Arm nehmen. Ich habe dir, habe euch so sehr gewünscht, dass das Abenteuer-Ei es schafft.

    Du hast schon so viel durchgemacht, immer wieder bist du aufgestanden und hast es erneut versucht. Seit ich dich und deine Geschichte kenne, weiß ich, dass ich noch lange nicht am Ende bin, auch wenn es mir manchmal so schien. Es mag nichts an deiner Situation direkt ändern, aber liebe Hanni, du bist eine tolle Frau und für mich bist du eine Richtschnur, an der ich mich orientieren kann.

    Ich wünsche dir, dass du die Kraft findest, wieder aufzustehen und wir werden an deiner Seite sein. Der nächste Versuch ist eine Schnappszahl, ich würde sagen, wir nehmen das als gutes Omen!

    Alles Liebe wünscht dir aus der Ferne
    ZweiLinien

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  4. Hallo ihr,
    Ich danke euch für eure Kommentare. Ich hätte nie geglaubt, dass mir das hilft. Ich weiß gar nicht genau, was ich sagen soll. Danke ist irgendwie zu wenig!
    Eure Hanni

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  5. Hey Hanni,

    eigentlich kannst du stolz sein - viele hätten nicht so lange durchgehalten. Ich finde es bemerkenswert, dass du euer Ziel fast im Alleingang bewältigst.
    Irgendwann wird es euch hoffentlich vergönnt sein, dass alles gut läuft und auch der kleine Floh dann bei euch auf dem Sofa sitzt.
    LG
    FrauSpinne

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    1. Danke FrauSpinne....Aber ein Alleingang ist es nicht gewesen, mein Mann ist immer an meiner Seite.

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  6. Liebe Hanni,

    das ist alles ein ganz fürchterlicher Mist!! Ich habe großen Respekt vor Eurem Mut, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen.
    Wahrscheinlich hängen Dir gutgemeinte Ratschläge zum Hals raus, gerade jetzt, aaaaaber: als Du von Deinen Östrogenwerten geschrieben hast hab ich gedacht: hast Du es schon mal mit Hormonyoga versucht?
    LG, Emma

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    1. Hallo Emma,
      Gelesen habe ich schon mal davon, aber noch nicht probiert. Pilates praktiziere ich seit Jahren und Yoga hin und wieder. Meinst du, das würde helfen?
      Hanni

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    2. Einen Versuch wert ist es allemal! Es gibt manchmal so Workshops, da wird einem gezeigt, wie es geht und dann kann man es selbst machen. Ist so eine bestimmte Sequenz an Übungen. Mir hilft es immer, jedesmal was anders oder neu zu machen.
      LG, Emma

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  7. Hallo Hanni, euer Weg ist wirklich unglaublich, das hätten viele niemals so durchhalten können! Stärke hast du dir also schon oft bewiesen, das wird sicher auch so bleiben!
    Ich drück dich!!

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    1. Danke liebes Küken... Jeder hat halt seinen eigenen Weg zu gehen und unserer ist halt ein bisschen länger.

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    2. Ich ziehe den Hut vor dir. Sowas muss man erst aushalten wollen und können. Ich wünsche dir sehr, dass dein Weg zu einem guten Ende führt!

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  8. Ich bin gerade über die Blogschwestern auf Deinen Blog gestossen und mir fällt nur ein Wort zu Deiner Geschichte ein: CHAPEAU Hanni!
    Von ganzem Herzen wünsche ich Dir alles Gute

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    1. Hallo SuperHasi,
      Vielen Dank für deine Herzenswüsche. Kann ich gut gebrauchen:-)
      Liebe Grüsse
      Hanni

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